• Die Erfüllung eines Kindheitstraums

    Französisch Polynesien

von Xavier Marest

Als Franzose war es immer mein Kindheitstraum, mal nach Französisch Polynesien zu gehen. Als ich vor knapp 3 Jahren angefangen habe zu tauchen, war das Interesse natürlich umso größer. Eben so groß, dass ich mir diese Reise zum 40. Geburtstag Anfang September gegönnt habe.

Die unterschiedlichen Tauchreiseveranstalter in Deutschland haben zwar auch Französisch Polynesien aber zu sehr hohen Preisen und mit wenig Auswahl. Für jede Insel haben sie meistens nur eine, max. 2 Unterkünfte und eine Tauchbasis im Programm. Man muss gestehen, dass diese angebotenen Unterkünfte eher luxuriös sind aber, wenn man eben nicht ganz so luxuriös unterkommen will, wird es dann schwierig.

Daher habe ich einen lokalen Anbieter mit meinen Wunschdaten und –zielen angeschrieben und nach 2-3 Mails und 2 Telefonaten (bei 12 Stunden Zeitverschiebung geht das ganz gut) hatte ich ein Angebot für meine ganz individuelle 15-tägige Reise mit allen Flügen, Unterkünften mit Halb- oder Vollpension und 20 Tauchgängen (vs. 10 bei den deutschen Anbietern) für 25% günstiger als mit einem deutschen Anbieter (ohne Flug).

Nach einem ca. 30-stündigen Flug mit Air France nach Paris und Air Tahiti Nui nach Papeete (mit Zwischenstopps in Los Angeles) wurde ich am Flughafen vom Hotelbesitzer – und nebenbei Honorarkonsul der Schweizer Eidgenossenschaft – abgeholt und zu einem kleinen aber feinen Hotel unweit des Hauptstadtzentrums gebracht.

Die erste Nacht war kurz, da ich am ersten Morgen bereits um 7 Uhr zum ersten – und einzigen – Tauchgang auf der Hauptinsel Tahiti abgeholt wurde. Diesen Tauchplatz – eine Steilwand – fand ich eher enttäuschend, da sehr wenig Fisch zu sehen war und auch die Korallen nicht besonders bunt waren. Bei einem einzigen Tauchgang darf man zwar nicht pauschalisieren aber Tahiti ist tatsächlich nicht für die schönsten Tauchplätze der Inselgruppe bekannt.

Nachmittags ging es mit derselben Tauchbasis auf Buckelwalsuche. Als wir nach gut 2 Stunden die Hoffnung aufgegeben hatten und auf dem Rückweg zum Hafen waren, hat sich eine Mutter mit ihrem Kind mit uns gnädig gezeigt und wir durften mit den beiden schnorcheln. Was für ein Erlebnis!

Am zweiten Tag ging es wieder früh los nach Bora Bora (Kindheitstraum!). Bei strahlendem Sonnenschein ist die Insel sicherlich so wunderschön wie auf den Postkarten zu sehen. Bei grauem Himmel und teilweise heftigem Regen sehen unsere heimischen Seen fast besser aus. Zum Glück wurde am nächsten Tag das Wetter wesentlich besser.

Die Hälfte der Touristen auf der Insel sind Hochzeitsreisende und die andere Hälfte amerikanische Touristen aus den unzähligen Kreuzfahrtschiffen, die täglich in Bora Bora anlegen.

Dementsprechend fällt das Tauchen aus: Unterdurchschnittlich motivierte Guides, Tarierungslegastheniker und daher flache, einfache und wenig interessante Tauchplätze. Immerhin zwei Zitronenhaie und Adlerrochen gesehen.

Nach Bora Bora sollte man zum entspannen, Sonne und Strand genießen, eventuell wandern, weniger zum tauchen.

Nach wenigen Tagen auf Tahiti und Bora Bora sollte begann endlich der richtige Tauchurlaub mit 5 Tagen auf Fakarava und 5 Tagen auf Rangiroa.

Fakarava ist ein Atoll im Tuamotu-Archipel im Pazifischen Ozean, etwa 490 km nordöstlich von Tahiti gelegen. Die Lagune von Fakarava ist mit 1.153 km² eine der größten in Polynesien, die Landfläche beträgt dagegen nur etwa 16 km². Fakarava besteht aus zahlreichen, langgestreckten Inselchen (Motus), vor allem im Norden und Osten des Atolls, die sich nur wenige Meter über den Meeresspiegel erheben. Die Lagune des Atolls hat zwei schiffbare Passagen, im Norden Garuae die größte befahrbare Lagunen-Passage in ganz Polynesien, und die südliche Passage Tumakohuna.

Das Fischreichtum ist selbstverständlich in den beiden Passagen am größten. Man kann sowohl in der nördlichen als auch in der südlichen Passage tauchen, wobei die südliche für den Tauchplatz „wall of sharks“ weltbekannt ist.

Da ich nicht jeden zweiten oder dritten Tag den Koffer packen wollte, habe ich mich dazu entschieden, nur im Süden des Atolls zu tauchen. Vom Flughafen bis zur kleinen Gemeinde Tetamanu mit 18 Einwohnern sind es ca. 2 Stunden Bootsfahrt in der prallen Sonne. In Tetamanu gibt es meines Wissens nur zwei oder drei Familienpensionen. Als wir bei der Pension Motu Aito Paradise angekommen sind, haben wir uns im wahrsten Sinne des Wortes am „Arsch der Welt“ gefühlt. Das Motu ist ca. 30 m x 50 m groß und drum herum nur Wasser und kleine Riffhaie. Die Pension besteht aus 8 rudimentären Bungalows (Strom nur tagsüber und ca. 1-2 Stunden nach Sonnenuntergang aus den Solarzellen, Wasser nur aus der Zisterne, selbstverständlich kein Internet) und einem großen Gemeinschaftsraum, wo hervorragend gegessen wird. Zum Frühstück gibt es das am Abend davor im Holzofen frisch gebackene Kokosnussbrot mit diversen selbst gekochten Marmeladen, zum Mittagessen zwischen den Tauchgängen meistens einen Salat und eine Hauptspeise und abends in der Regel ein 3-Gänge-Menü. Alle Mahlzeiten bestehen aus frisch selbstgefangenem Fisch. Befürchtet man in den ersten Stunden, keine 5 Tage von jedem Zivilisationszeichen so abgelegen ertragen zu können, möchte man am letzten Tag die Pension und ihre drei Bewohner mit Hund Aito nicht mehr verlassen. Wenn das Paradies auf Erde wirklich existiert, dann dort!

Die Tauchbasis (selbst mein Badezimmer ist größer als die Basis selbst) befindet sich zwei Motus weiter. Betrieben wird sie von dem Paar Jenny und Nikita. Beide sind total nett, sehr erfahren und sehr gute Taucher und Guides. Täglich wird man von Nikita mit dem Schlauchboot am Motu abgeholt und zur Basis gebracht. Der Zeitpunkt der Abholung wird jeden Abend festgelegt, abhängig von den Gezeiten. Denn getaucht wird nur in der Passage und Stärke und Richtung der Gezeiten müssen passen. Dies bedeutet natürlich, dass alle Tauchgänge Strömungstauchgänge sind. Selbst bei teilweise starker Strömung sind diese durch die perfekte Führung beider Guides nie zu anstrengend gewesen.

Der Tauchplatz „wall of sharks“ hat seinen Namen wahrlich verdient. Ich denke, sowas kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht einmal erlebt hat. Bei jedem Tauchgang stellt sich nie die Frage, ob man Haie sehen wird sondern eher wie viele: 100, 200, 300? Und wir kleine Taucher mittendrin!

Wunderbare Tauchgänge, jedoch wird es irgendwann langweilig, da der Tauchplatz immer derselbe ist. 6 oder 7 Tauchgänge ist eine gute Zahl.

Die meisten Touristen tauchen eher in der nördlichen Passage, weil diese nah am Flughafen und einfacher zu erreichen ist. Daher gibt es dort mehrere Tauchbasen, mehr Auswahl bei den Unterkünften aber auch mehr Leute. Da ich selber nicht dort tauchen war, kann ich nur vom Hörensagen berichten. Die Strömungen im Norden sind wesentlich heftiger als im Süden (die Passage ist gut dreimal so breit wie im Süden) und es sind zwar auch Haie zu sehen aber nicht in der gleichen Menge wie im Süden. Die meisten Leute, die beide Seiten betaucht haben, fanden den Süden schon beeindruckender.

Rangiroa  ist das größte Atoll des Tuamotu-Archipels in Französisch-Polynesien. Rangiroa wird wegen der Klarheit und Weite der Lagune auch Ra’iroa genannt (übersetzt: „weiter Himmel“). Das Atoll ist 80 km lang und zwischen 5 und 32 km breit. Die ca. 1600 km² große Lagune hat eine maximale Tiefe von 35 m. Sie ist von einem Ring aus 240 Motus (Inseln, totale Landfläche 79 km²) und etwa 100 schmalen Durchlässen umgeben. Im Nordwesten, in der Nähe der Dörfer, gibt es zwei tiefere, für die Schifffahrt geeignete Durchfahrten. Rangiroa ist das zweitgrößte Atoll der Welt nach Kwajalein.

Dadurch gibt es in Rangiroa mehr Touristen, eine wesentlich größere Auswahl an Unterkünften (von der kleinen Familienpension bis zum Luxushotel ist alles vertreten) und Tauchbasen.

Da es für mich hauptsächlich ein Tauchurlaub war, wollte ich weniger Geld für die Unterkunft ausgeben und dafür mehr fürs Tauchen. D.h. ich war nicht bei der luxuriösen Pension Joséphine, die die meisten deutschen Anbieter im Programm haben sondern bei der kleineren und einfacheren Pension Cécile. Einfache aber komfortable und saubere Bungalows, fantastischer Ausblick, sukkulentes Essen, absolut liebenswerte Besitzerin: Ich habe meine Entscheidung nicht bereut!

Die Tauchbasis – Topdive wie in Tahiti, Bora Bora und Fakarava – war auch absolut empfehlenswert: Perfekte Organisation (und trotzdem hohe Flexibilität), hohe Sicherheitsstandards, gute Qualität der Leihausrüstung, erfahrene und hilfsbereite Guides und Tauchlehrer.

Getaucht wird fast ausschließlich an der Steilwand vom Außenriff auf der Ozeanseite und mit der – teilweise sehr starken – Strömung durch die Passage in die Lagune hinein. Riffhaie sieht man bei jedem Tauchgang. Außerdem hat man die Möglichkeit, Delphine zu sehen, die manchmal zu den Tauchern zum spielen kommen. Dieses Glück hatten wir zwar leider nicht – zweimal auf ca. 30 m Entfernung gesehen – aber dafür hatten wir zweimal die Chance auf einen großen Hammerhai. Zwar sind solche Begegnungen in Rangiroa nicht ungewöhnlich aber eigentlich eher später im Jahr.

Die schönsten und beeindruckendsten Tauchgänge waren für mich die „sunset“ Tauchgänge, wenn die Sonne untergeht, das Licht weniger wird, die Haie aus der Tiefe zum jagen hoch kommen und die bunten Riffbewohner sich paaren. Nachttauchgänge werden dort nicht angeboten, da die Haie in Jagdmodus sind und dies wäre wohl zu gefährlich.

Nach 10 Tauchgängen in Rangiroa hatte ich noch nicht genug und hätte länger bleiben können.

Fazit: Will man in Franz. Polynesien einen reinen Tauchurlaub verbringen, darf man Fakarava (Haie) und Rangiroa (Delphine) auf keinen Fall verpassen. Ebenfalls Tikehau (Mantas) ist wohl sehr zu empfehlen. Tahiti und Bora Bora kann man sich sparen, Moorea soll sich eher lohnen.

Meine Reise habe ich mir mit der Hilfe vom lokalen Anbieter e-Tahiti Travel (www.etahitiravel.com) zusammengewürfelt. Preislich hat sich das Tauchpaket mit 20 Tauchgängen von Topdive (www.topdive.com) gelohnt. Topdive betreibt 12 Tauchbasen auf 7 Inseln.

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