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Mörder, Monster, Menschenfresser – wie kommen Haie zu diesem Ruf?

 

Haifoto – (c) C. Gstöttner/Sharkproject

Viele unserer Verhaltensmuster tragen wir im Unterbewusstsein mit uns herum, ein eigener Forschungszweig, die Verhaltensgenetik, befasst sich mit Merkmalen und Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Natürlich sind wir auch lernfähig, sonst hätte uns die Evolution längst überrollt. Änderungen unseres Verhaltens sind abhängig von Umwelteinflüssen, gründlicher eigener Erfahrung oder – wenn uns das nicht möglich ist – von der auf uns einwirkenden „öffentlichen Meinung“. Die wiederum ist vor allem von den Medien geprägt.

Als unsere Vorfahren seinerzeit noch in Höhlen lebten war es angebracht, sich vor Tieren mit spitzen Zähnen und überraschenden Angriffen aus der Dunkelheit in Acht zu nehmen. Nun sind spitze Zähne und Lebensraum in den dunklen Tiefen der Meere genau jene Attribute, mit denen man Haie in Verbindung bringt. Und obwohl sie zutreffen – man sollte meinen, dass wir seit unserem Höhlendasein Urängste, die seinerzeit berechtigt waren, im 21.Jahrhundert überwunden hätten.

Warum also gelten Haie noch immer als Mörder, Monster und Menschenfresser?

Da sollte man zunächst nicht an der Lernfähigkeit der Menschheit zweifeln, denn jene Community, die tatsächlich eigene Erfahrung im Umgang mit dem Tier „Hai“ sammeln, und ihr Verhalten beobachten kann, ist eine ausgesprochene Minderheit. Bleiben also für die breite Öffentlichkeit nur jene Informationen, die sie den Medien entnehmen können.

Und genau hier liegt das Problem. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat die Unterhaltungsindustrie mit dem Film „Der weiße Hai“ einen Hit gelandet. Ein besonders positives Image hatten Haie auch davor nicht, generell wusste man noch sehr wenig über die marine Fauna und Flora. Aber dieser Film wirkte gleich einer Auffrischungsimpfung – alle Vorurteile schienen bestätigt, die Urangst vor Haien berechtigt und eine nähere Befassung mit dieser Spezies daher entbehrlich, waren sie doch Mörder, Monster und Menschenfresser…

Peter Benchley, der Autor des dem Film zugrunde liegenden Romans „Jaws“ hat später bereut, die Angst vor Haien derart geschürt zu haben und war bis zu seinem Tod 2006 engagierter Haischützer.

Zum Unterschied zu seinem Bestseller ist dies aber kaum bekannt…

Auch die Printmedien prägen unser Bewusstsein. Egal wo und unter welchen Umständen ein Haiunfall passiert, die begleitende bildliche Darstellung ist stereotyp dieselbe – ein aus dem finsteren Meer ragender Haikopf mit aufgerissenem Maul und spitzen Zähnen…Dunkelheit und spitze Zähne…damit werden unsere Urängste im Unterbewusstsein wieder einmal bedient! (siehe Beitragsbild)

Um nicht missverstanden zu werden – Haie sind keine Kuscheltiere, und tragische, tödliche Haiunfälle gibt es. Das waren in den letzten 10 Jahren – je nachdem, welcher Statistik man glauben will – 2 bis 14 oder 1 bis 13 Todesfälle. Um nur einen Vergleich zu bemühen: in der heurigen Wintersaison starben in Österreichs Alpen bis Mitte März 25 Menschen bei Lawinenunfällen…

Zweifellos sind Haie Topräuber – und genau in dieser Eigenschaft für das sensible marine Gleichgewicht von eminenter Bedeutung. Sie regulieren die Bestände der Arten (auch der eigenen) und eliminieren verletzte und kranke Tiere. Ozeane wird es auch ohne Haie geben. Wie sich das letztendlich auf unser „größtes Lebensmittelreservoir“ – und damit auf uns alle – auswirkt, kann niemand exakt voraussagen. Negative Anzeichen in Regionen, in denen Haie ausgerottet wurden, gäbe es genug.  Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen über die Zahl der durch Menschen getöteten Haie gibt es wenige. B. Worm kommt in einer 2013 veröffentlichten Publikation auf eine Zahl von 97 Millionen Haie für das Jahr 2010, mit einer statistischen bedingten Schwankungsbreite von 63 bis 273 (!!!!) Millionen.

Alle, die das Privileg hatten, Haie näher kennenlernen zu dürfen, sollten sich um die Entkriminalisierung dieser Tiere bemühen. Und langsam, langsam scheinen auch (manche) Medien mitzumachen. Die Zahl der Dokumentationen auf TV-Sendern, in denen ein realistisches Bild der Haie vermittelt wird, ist erfreulicherweise im Steigen begriffen. Hoffen wir, dass es gelingt, bald – denn die Zeit drängt – unbewusste Urängste und Vorurteile Haien gegenüber zu überwinden.

Inhalt:

Dr. Walter Buchinger - Sharkproject Austria

Dr. Walter Buchinger – Sharkproject Austria

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